Buchmacher: Die rätselhaften Wesen
Die Oddsetwetten sind bei uns die bekanntesten
Buchmacherwetten. Daneben ist diese Wettart
bei Pferdewetten dominierend. Kennzeichen sind die vorher bekannten
Wettquoten, mit denen man den Gewinn vorher berechnen kann. Beim
Wort "Buchmacher" darf man sich übrigens nicht nur
eine Person vorstellen, es steht stellvertretend für ein Unternehmen,
dass Wetten organisiert und abwickelt.
Ein Trugschluß bestünde in der Annahme, dass die eigenen
Gewinne beim Buchmacher (Oddset) als Verlust zu Buche schlagen.
In der Bilanz geht der Buchmacher verlustfrei aus der Wette. Das
Geld für die Gewinner kommt von den verlierenden
Wettteilnehmer.
Der Buchmacher muss nur dafür sorgen, dass er für jedes
denkbare Wettergebniss die Gewinner aus den Wetteinnahmen
bezahlen kann. Wie der Name schon sagt, führt der Buchmacher
ein Buch über die Wetteinnahmen zu den möglichen Wettresultaten
einer bestimmten Wette. Er sieht also stets, wie sich die Einnahmen
prozentual auf die Wettereignisse
verteilen. Die Quoten nun so einzustellen, dass die Gewinner mit
dem Geld der Verlierer bezahlt werden ist eine ganz einfache Rechnung.
Die Quoten sind umgekehrt proportional
zu den jeweiligen Einnahmen der darunterliegen Wettresultate. Bei
diesem Prinzip gewinnt oder verliert der Buchmacher nichts.
Bei der Auflage einer neuen Wette gibt
es noch keine Wetteinnahmen, auf deren Basis Quoten berechnet werden
könne. An dieser Stelle kommt spezielles Personal zum Zuge,
die sog. Quotenschreiber der Buchmacher.
Aufgrund ihrer Sachkenntnis und Erfahrung legen sie die Anfangsquoten
fest oder was das gleiche ist, sie schätzen, welche Prozentanteile
die Wetteinnahmen für die möglichen
Wettergebnisse haben werden. Es geht also dabei gar nicht
darum, den Ausgang der Wette sicher vorherzusagen,
was ohnehin unmöglich ist, sonst wäre es ja keine Wette!
Dann und wann passieren allerdings Quotenirrtümer.
Hier ist ein Ansatzpunkt für erfolgreiches Wetten, worauf an
anderer Stelle noch eingegangen wird.
Die Wetten laufen über einen bestimmten
Zeitraum. In dieser Zeit ändern sich oft die Einschätzungen
der Wettteilnehmer und somit auch die Quoten. Das gilt aber nur
für neu abgeschlossenen Wetten. Bereits abgeschlossene Wetten
behalten ihre ursprünglichen Quoten
und müssen entsprechend bedient werden. Hier hat der Buchmacher
in der Anfangsphase der Wette tatsächlich ein Verlustrisiko.
Dramatische Quotenänderungen kommen aber erstens nicht häufig
vor, zweitens kann das auch einmal zu seinen Gunsten ausfallen und
drittens kann er bei den noch zukünftig zu stellenden Quoten
einen kalkulatorischen Abschlag vornehmen und schließlich
ist er überhaupt nicht gezwungen Wetten aufzulegen, die in
seinen Augen von vornherein undurchschaubar sind.
Man spielt also gegen die übrigen
Wettteilnehmer und nicht gegen den Buchmacher. Das schließt
nicht aus, dass Buchmacher gelegentlich auch eigenes Geld einsetzen.
Das tun sie aber nur, um Liquidität
für den Wettmarkt bereitzustellen. Im Schnitt wird dabei weder
gewonnen noch verloren. Von den Wetteinnahmen zieht der Buchmacher
die fälligen Steuern und seine eigenen Betriebskosten ab und
noch einen prozentualen Betrag für seinen eigenen Gewinn, der
unabhängig vom Wettausgang ist.
Diesen Abschlag kann man akzeptieren.
Fraglich ist allerdings die Abschlagshöhe und diese ist hierzulande
keine Kleinigkeit. Bei Oddset beträgt sie bei der Kombiwette
ca. 50%, bei der Top-Wette
40% *) manchmal auch etwas weniger. Will man dauerhaft gewinnen,
so müssen diese Abschläge durch eigene Gewinne erst einmal
überbrückt werden. Man darf bezweifeln, dass dies bei
einer Gewinnausschüttung von nur 50-60%
einer nennenswerten Zahl von Wettteilnehmern gelingt oder
auf Dauer überhaupt gelingen kann.
Bekanntlich hat Oddset hierzulande das Monopol
auf Buchmacherwetten (abgesehen von den Pferdewetten). Im Ausland,
namentlich bei den Engländern mit ihrem Enthusiasmus für
alle möglichen Wetten, sieht das anders aus. Wettsteuern sind
natürlich auch hier fällig. Die Buchmacherfirmen sind
aber in privater Hand und stehen in scharfem Wettbewerb. Demzufolge
beträgt der Abschlag dort höchstens 20% und oftmals noch
weiniger.
Im Ausland findet man auch eine interessante Wettvariante, bei
der man nicht nur Quoten akzeptieren muss, sondern selbst Quoten
anbieten kann, d.h. man nimmt die Gegenposition ein und gewinnt,
wenn das anvisierte Wetteresultat nicht eintritt. So entsteht ein
perfektes System von Quoten-Angebot (Lay)
und Quoten-Nachfrage (Back). Das ganze
funktioniert wie eine Aktienbörse
(oder noch besser verglichen mit einer Börse für Aktienoptionen,
da ja keine realen Werte gehandelt werden).
Man kommt als "Quotenverkäufer"
natürlich nur zum Zuge, wenn man Quotenbeträge anbietet,
für die sich auch "Quoten-Käufer"
finden. Umgekehrt gilt das gleiche. Das geschieht genauso anonym
wie ein Aktienkauf an der Börse, wo man ja auch nicht weiß,
wem die Aktie zuvor gehörte. Die Vermittlung und technische
Abwicklung übernimmt der Buchmacher, der sich hierbei zum Makler
wandelt und prozentual am Umsatz beteiligt
ist.
Zumindest nach Auffassung der staatlichen
Glücksspielunternehmen ist es illegal,
an Wetten von Buchmachern teilzunehmen, die hierzulande keine Lizenz
haben. Das strikte staatliche Monopol wird u.a. damit begründet,
dass der Staat dämpfend auf die Spielleidenschaft
einwirken soll. Abgesehen davon, dass diese Haltung einen Geschmack
von Bevormundung hat, steht diese Argumentation
auch auf wackeligen Beinen angesichts der aggressiven Werbung für
Glücksspiele, bei denen es von Wörtern wie "Millionen"
und "Millionär" nur so wimmelt.**) Der Prozeß
des grenzübergreifenden europäischen Wettbewerbs scheint
aber Bewegung in diese Angelegenheit zu bringen.
_______
*) Inzwischen bietet Oddset mit sog. TOP-Spielen Einzelwetten an,
bei denen 80% ausgeschüttet wird.
**) Hier ist die Situation Mitte 2004 beschrieben. Inzwischen (2008)
hat sich das Bild durch Aktivitäten der EU, des Bundesverfassungsgerichtes
und der Bundesländer (Staatsvertrag) geändert.
Siehe hierzu auch folgende Beiträge:
Kombi-Wette: Quoten
und prozentuale Wahrscheinlichkeit
Kombi-Wette: Chancen
und Quoten
TOP-Wette: Chancen
und Quoten
TOP-Wette: auch hier
- geschenkt wird nichts
Oddset, nomen est omen
?
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Vater, der Staat ...
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