Kombiwette: sieht gut aus, ist aber schlecht
Bei Kombiwetten werden mehrere Wetten
auf verschiedene Ereignisse zu einer Wette
zusammengefaßt, auch wenn die zugrunde liegenden Ereignisse
zeitlich vollkommen getrennt sind. Natürlich muß die
Wette vor Eintritt aller beteiligten Ereignisse platziert werden.
Das verführerische bei dieser Wettart ist die Erhöhung
der Endquote, denn die Wettquoten der beteiligten Wetten
werden miteinander multiplizert. Da die
Quoten stets größer als "1" sind, wächst
das Produkt mit der Anzahl der kombinierten Wetten.- Das war die
gute Nachricht.
Die schlechte Nachricht: Die Wahrscheinlichkeiten
der kombinierten Wetten sind ebenfalls miteinander zu multiplizierten.
Die Wahrscheinlichkeit ist aber stets kleiner als "1".
Das Produkt verringert sich also mit der
Anzahl der kombinierten Wetten, d.h. die Gesamtwahrscheinkeit und
somit die Gewinnwahrscheinlichkeit verringert sich. Zwischen Quoten
und Wahrscheinlichkeiten gibt es einen festen Zusammenhang (Chancen
und Quoten bei der ODDSET Kombi-Wette).
Ein einfaches Beispiel: Eine
Einzelwette mit zwei Ergebnismöglichkeiten
(wie z.B. beim Tennis) habe für jedes Ergebnis eine angenommene
Chance von 50%. Eine sog. faire
Quote (100% Auszahlung, keine Gebühren) hätte dann
für beide Ergebnisse die Quote "2".
Einer verliert seinen Einsatz, die Gegenwette gewinnt genau diesen
Einsatz. Man beachte, dass die Quote für den Nettogewinn
stets N=Q-1 ist, also Gewinn verringert um den Einsatz. Im vorliegenden
Fall gilt also: 2-1=1.
Nehmen wir an, 3 verschiedene Wetten
aber mit derselben Chancenverteilung wie obige Wette werden miteinander
kombiniert. Die Gesamtquote der Kombiwette
ergibt sich durch: Q=2x2x2=8. Im Gewinnfall
erhalten wir damit den 8-fachen Einsatzes
als Gewinn. Die Gesamtchance hat sich gegenüber der Einzelchance
(p=0,5=50%) aber auch um das 8-fache verringert: p=0,5*0,5*0,5=0,125=12,5%.
Das ist leicht zu veranschaulichen. Die erste Einzelwette der 3er-Kombi
gewinnt wahrscheinlich zur Hälfte, die zweite Einzelwette gewinnt
wahrscheinlich die Hälfte dieser Hälfte (0,25) und die
dritte Einzelwette gewinnt die Hälfte der Hälfte von der
Hälfte (0,125).
Betrachten wir nun (um glatte Zahlen zu bekommen) 8
Spiele mit der soeben beschriebenen 3er-Kombiwette
(p=0,125) mit einem Einsatz von jeweils S=30€
und vergleichen dies mit 24 Einzelwetten
der obigen Art (p=0,5) mit jeweils S=10€
Einsatz. In beiden Fällen sind somit jeweils
240€ zu setzen.
Bei den Einzelwetten gewinnt die Hälfte, also 12 Spiele. Pro
Gewinn erhalten wir 20€, insgesamt also 240€.
Bei den Kombiwetten gewinnt entsprechend der 12,5% Wahrscheinlichkeit
nur ein Spiel aber mit einer Quote von 8 und bei einem Einsatz von
30€. Auch hier resultiert ein Gewinn von
240€.
Wir halten fest: Bei einer
fairen Quote spielt die Strategie keine Rolle. Im statistischen
Mittel gewinnt man nichts und verliert man nichts, genau das ist
ja das Merkmal einer fairen Quote.
Jetzt das gleiche Beispiel mit nur 80% Auszahlung.
Wir müssen hierfür die Quote von 2 auf 1,6 reduzieren.
Die 12 gewonnenen Einzelwetten bringen dann einen Gewinn von: 12x10x1,6=192€;
also 48€ weniger als eine faire Wette.
Übrigens erkennt man hierbei, dass
die Reduktion der Auszahlung allein zulasten des Gewinners geht,
denn der Nettogewinn beträgt nur das 0,6-fache des Einsatzes.
Er ist nicht nur um 20% reduziert sondern um 40%. D.h. der Buchmacher
zahlt mit dem Verlust des Verlierers den Gewinn des Gewinners, vermindert
um die 20% der eigenen Marge - aber bezogen auf den Umsatz von 2
Einheiten! Der Gewinner zahlt sozusagen nicht nur den eigenen Anteil
des Abschlags, sondern auch den Abschlag des Verlierers!
Bei der einen gewonnenen Kombiwette mit der neuen Quote ergibt
sich: Q=1,6x1,6x1,6=4,10. Das gibt einen
Gewinn von G=30x4,1=123€. Das Ergebnis
ist damit erheblich schlechter als bei
den Einzelwetten (192€). Das Nettoergebnis ist aber in beiden
Fällen negativ.
Das soeben genannte Beispiel wird nachfolgend in der Abb.1
auch für andere Werte grafisch veranschaulicht. Zuvor sei aber
daran erinnert, dass wir hier mit statistischen Werten arbeiten.
Eine Wette mit p=0,25 Gewinnwahrscheinlichkeit bedeutet nicht, dass
man 1/4 der Wette gewinnt. Eine Wette kann nur gewonnen oder verloren
werden! Auch die an sich richtige Aussage: Im
Schnitt gewinnt jede 4. Wette wird oft missverstanden. Bei
p=0,25 gewinnen von einer großen Anzahl Wetten 25%,
also beispielsweise bei 100 Wetten kann man mit etwa 25 Gewinnen
rechnen.

In der Abb.1 werden Kombiwetten
bis zur Länge 10 mit Einzelwetten
verglichen. Jede Einzelwette hat hier eine angenommene Gewinnwahrscheinlichkeit
p=0,5 bei einem Einsatz von 1 €. Bei 2 Einzelwetten
sind also insgesamt 2€ zu setzen.
Um direkt vergleichen zu können, werden deshalb bei einer 2er-Kombi
ebenfalls 2€ gesetzt usw.,
d.h. die Satzhöhe ist zahlenmäßig
gleich der Kombilänge.
Wie bereits festgestellt wurde, gibt es im Ergebnis
bei fairen Wetten keinen Unterschied zwischen
Einzelwette und Kombiwette.
Der Gewinn steigt proportional mit der Anzahl der Sätze und
das Nettoergebnis ist stets Null (in der Abb.1 nicht eingezeichnet).
Bei nur 80% Auszahlung sinkt der Bruttogewinn
unter die Einsatzhöhe. Der Nettogewinn ist somit stets
negativ, d.h. es entsteht Verlust. Bei der Einzelwette sind
die Verhältnisse linear. Für
das Ergebnis spielt es keine Rolle ob z.B. 5 Einzelsätze mit
1€ oder 1 Satz mit 5€ gesetzt werden.
Bei der Kombiwette hat der Bruttogewinn
bei der Kombilänge zwischen 4 und 5 ein Maximum
und strebt dann gegen Null! Diese Erscheinung hängt damit zusammen,
dass bei unserer Betrachtung die Einsatzhöhe mit der Kombilänge
wächst. Für das Bruttoergebnis haben wir eine Funktion
der Form:
B = x * p^x * Q^x (^ bedeutet Potenz) mit x=1,2,3... und p<1
sowie Q>1. Über die Nullstelle der 1. Ableitung kann man
das Maximum finden. Im vorliegenden Fall liegt es bei x=4,48 und
hat einen Wert von B=1,65 .
Viel wichtiger ist folgende Erkenntnis:
Von Anfang an steigt der Verlust bei der Kombiwette viel stärker
als bei der Einzelwette und mit steigender Kombilänge verschärft
sich der Verlust sogar überproportional.
Jetzt ist auch leicht zu verstehen, dass Buchmacher
manchmal nur Kombiwetten zulassen oder durch Bonusprogramme die
Spieler in Kombiwetten locken. Weniger verständlich ist die
Neigung vieler Spieler, lange Kombinationen zu basteln. Selbst durch
ständige Misserfolge werden sie nicht eines Besseren belehrt.
Der große Nachteil der Kombiwetten
hängt damit zusammen, dass mit den Quoten auch die Abschläge
miltipliziert werden.
In Abb. 2 sind 10000
Einzelsätze mit je 1€ Einsatz simuliert.
Jeweils 3 aufeinander folgende Spiele bilden einen Kombisatz
mit 3€ Einsatz. Bei fairem Spiel entfernt sich das Ergebnis
nicht weit von der Nulllinie, allerdings sind die Schwankungen
bei der Kombiwette viel höher. Wegen der 50% Gewinnwahrscheinlichkeit
würden diese beiden Kurven für den Gegenspieler
spiegelbildlich zur Nulllinie verlaufen, was hier ziemlich
schlecht aussehen würde.

Die Kurvenverläufe bei 80% Auszahlung
bedürfen keines Kommentars, sie sprechen für sich.
Der Einfachheit halber wurden im vorliegenden Fall nur Zweiparteien-Spiele
mit 50% Gewinnwahrscheinlichkeit betrachtet. Andere
Wahrscheinlichkeiten ändern tendenziell nichts. Mehrere
mögliche Spielausgängen wie
z.B. beim Fussball (1,0,2) bringen eine weitere Verschlechterung,
das wird an anderer Stelle noch untersucht. Ebenso wird noch untersucht,
was bei positiver Gewinnerwartung passiert
- was wir uns ja alle wünschen.
10/05
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