Kann man die Zahlenkombinationen wiegen?
Ja, das kann man! Wir haben eine Waage
mit 49 Mulden, die wir von links nach
rechts durchnummerieren. Die 6 Kugeln einer
Lottoziehung legen wir nun in die entsprechenden Mulden. Bei dem
Beispiel unten ist das die 5, 13, 16, 27, 39
und 45.

Diese Positionen sind entsprechend der jeweiligen Lottoziehung
vollkommen zufällig. Die Beobachtung vergangener Ziehungen
zeigt uns aber im allgemeinen eine recht gleichmäßig
Verteilung über das Lottofeld. Diese Gleichmäßigkeit
legt die Vermutung nahe, dass die oben beschriebene Waage die Tendenz
hat, im Gleichgewicht zu sein. Das wollen
wir hier untersuchen.
Eine Waage ist im Gleichgewicht, wenn
die Summe der auf sie wirkenden Drehmomente
gleich Null ist. Das Drehmoment, das eine
Lottokugel bewirkt, errechnet sich aus dem Abstand der Kugel vom
Drehpunkt der Waage multipliziert mit der Gewichtskraft. Die Dimension
ist also Kraft x Länge. Wir machen
es uns einfach und sagen, eine Kugel hat die Gewichtskraft "1"
und der Abstand der Mulden hat ebenfalls die Länge "1".
Die mittlere Mulde über dem Drehpunkt
in der Mitte hat die Position "25".
Die 4. Kugel "27" bewirkt beispielsweise ein Drehmoment
von M=(27-25)*1=2. Die "1" können wir weglassen,
somit ergibt sich für die Summe der Drehmomente für obiges
Beispiel:
M = (5-25)+(13-25)+(16-25)+(27-25)+(39-25)+(45-25)
M = -20-12-9+2+14+20 = -5
Das resultierende Moment ist also "-5",
d.h. die Waage würde sich im gezeigten Beispiel nach links
neigen. Man beachte, dass hier die linksdrehenden Momente ein negatives
Vorzeichen und die rechtsdrehenden Momente ein positives Vorzeichen
haben.
Variabel sind in obiger Gleichung nur
die Lottozahlen, die 25 als (Mittelpunkt
der Waage) bleibt konstant und liefert
zusammen -150. Die erste Gleichung kann deshalb für 6 beliebige
Lottozahlen z1 bis z6 auch so geschrieben werden:
M = z1+z2+z3+z4+z5+z6 -
150
Wie schon erwähnt, ist die Bedingung für Gleichgleichgewicht
M=0, daraus folgt für das Gleichgewicht:
z1+z2+z3+z4+z5+z6
= 150
Wer den Beitrag Summen bei den Lotto-Tipps
gelesen hat, dem kommt die "150"
bekannt vor. Es ist der Mittelwert aller
möglichen Lottosummen und er kommt
am häufigsten vor, nämlich 165772
mal. Wir haben damit eine mechanische Veranschaulichung für
die Summenbildung bei den Lottozahlen gefunden.
Unsere Vermutung, dass die Lottozahlen einen Trend
zum Gleichgewicht haben war also richtig.
Die Tabelle der Häufigkeit bei den Summen in dem erwähnten
Beitrag lässt sich direkt für unsere Lottowaage heranziehen.
Summenwerte unter 150 drehen die Waage nach links, Werte über
150 drehen nach rechts und das um so stärker, je weiter sich
der Summenwert von 150 entfernt.
Was können wir damit anfangen? Mit den "Gleichgewichtszahlen"
hätten wir zwar 30 Volltreffer bei
den SA-Ziehungen im Zeitraum von 1956 bis 2000 erzielt, aber nur
wenn wir jedes Mal 165772 Tippkästen
abgegeben hätten, das sind etwa 1,2%
der möglichen Gesamtkombinationen.
Wir haben mit dem Gleichgewicht bzw. mit der mittleren Summe zwar
eine Methode gefunden, Kombinationen aufzuspüren die eine höhere
Trefferwahrscheinlichkeit haben als bestimmte andere Summenwerte,
die diese Eigenschaft nicht haben. Der Wermutstropfen folgt aber
sogleich: Die höhere Wahrscheinlichkeit
resultiert aus der größeren Anzahl
der "Gleichgewichtskombinationen".
Das ist immer so! Man kann sich irgendwelche
bestimmte und eindeutig definierte Eigenschaften für die Lottozahlenkombinationen
ausdenken. Die Proportion zwischen der
Anzahl der möglichen Kombinationen
zur Gewinnchance lässt sich nicht
überlisten. Es ist der Traum aller
Lottosystemtüftler (obwohl sie sich
darüber nicht im Klaren sind) hier eine Disproportion
aufzuspüren, die gegenüber der statistischen Erwartung
einen Vorteil bringt. Leider ist
das eine Illusion.
8/05
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