Ist die Superzahl wirklich Super ?
... für die Gewinner mit 6 Richtigen und Superzahl bestimmt.
Für alle anderen Gewinner - und das
sind durchschnittlich 99,9999616% - ist
die Superzahl ein Nachteil, denn vom Kuchen des Gesamtgewinnes ist
ein hübsches Stückchen für
die 1. Gewinnklasse reserviert. Bis zum
Juli 2003 waren es 6%, seit August 2003
sind es sogar 10%.
Im Statistikteil Chancen und Quoten
beim LOTTO ist genaueres nachzulesen.
Dass der Gewinnkuchen wegen der Superzahl
nicht vergrößert wurde, sondern nach wie vor 50%
der Wetteinnahmen beträgt ist hoffentlich jedem klar.
Er verringert sich sogar auf
45% bei den Ausspielungen, bei denen kein
Supergewinner vorkommt. Umgekehrt steigt natürlich dadurch
die Auszahlung im Falle eines Jackpots über
50%, hiervon profitiert aber nur der Jackpot-Gewinner.
Bei den anderen Gewinnklassen ist kein Einbruch
der theoretischen (und praktischen) Auszahlungsquoten
zu verzeichnen. Die "10%-Abgabe"
für die Supergewinne der 1. Gewinnklasse verteilt
sich auf sehr viele Gewinner der unteren Klasse und außerdem
wurden zwischenzeitlich die Spieleinsätze erhöht, wodurch
natürlich auch Umsatz und Gewinnausschüttung betragsmäßig
stiegen.
Optisch ist bei den unteren Gewinnklassen wegen der Superzahl also
nichts zu bemerken, dafür umso mehr in der 1.
Gewinnklasse, denn der hier häufige
Jackpot erregt die Aufmerksamkeit und Fantasie der Spielteilnehmer.
Wenn in einer Gewinnklasse keine Gewinne
erzielt wurden, so wird die gesparte Gewinnsumme nicht verteilt,
sondern derselben Gewinnklasse der nächstfolgenden
Ausspielung zugeschlagen. Das gilt übrigens für alle Gewinnklassen.
Praktisch kommt das beim LOTTO aber nur in der 1. Gewinnklasse vor.
Bei der Auswahlwette 6 aus 45 passiert
das allerdings auch schon mal in der 2. Gewinnklasse.
Es ist natürlich beabsichtigt, dass
ein Jackpot entsteht, denn man weiß
um die Werbewirksamkeit der dort entstehenden
riesigen Gewinnsummen. In diesem Zusammenhang
ergibt sich ein merkwürdiger Kontrast zwischen dem staatlichen
Anspruch, die Spielleidenschaft zu zügeln
und deshalb das Lotteriewesen staatlich zu betreiben
(siehe Seite 1) und gleichzeitig
die Lotterie durch Jackpot und andere Werbemaßnahmen anzuheizen.
Das ist auch schon verschiedenen Politikern aufgefallen. Diese haben
jedoch dazugelernt, dass enorme Geldeinnahmen die Dinge relativieren
können
Damit brauchbare Jackpots entstehen,
müssen die möglichen Tippzahlkombinationen und die Anzahl
der durchschnittlich abgegebenen Tippreihen, die wiederum in einem
engen Verhältnis zur Anzahl der Bevölkerung und dessen
Wettgewohnheiten steht, gut abgestimmt werden. Ein Lottosystem,
dass in Deutschland "vernünftige"
Jackpots liefert, kann für Länder anderer Bewohnerzahl
unbrauchbar sein.
Die Gewinnklasse 1 erfordert
6 richtige Tippzahlen und die Übereinstimmung von der
Endziffer der Losnummer mit der gezogenen
Superzahl. Wir erinnern uns: Es gibt 13.983.816
Möglichkeiten die 6 Kreuze im Feld der 49 Zahlen zu setzten.
Mit den 10 Endziffern (0-9) steigt diese Zahl um das 10fache
auf 139.838.160 also fast 140 Mill. Kombinationen.
Die Anzahl der wöchentlich abgegeben Tippreihen (Mittwochs-
und Samstagslotto werden bezüglich des Jackpots zusammengefasst)
liegt ebenfalls knapp bei 140 Mill. Bei dieser Zahlenkonstellation
ist es klar, dass nicht jede Woche die
Gewinnklasse 1 erreicht wird.
Die Chancen für die Gewinnklasse
1 und 2 sind so gering, dass auch Überraschungen
passieren können. Z. B. könnte es vorkommen, dass 6 Richtige
+ Superzahl (Klasse 1) zweimal vorkommen
und nur 6 Richtige (Klasse 2) überhaupt
nicht. Dann werden die Gewinnsummen von Klasse 2 (8%) und
Klasse 1 (10%) zusammengefasst.
Noch schlimmer wäre es, wenn ohne aufgelaufenen Jackpot Klasse
2 (6 Richtige) nur einmal vorkommt
und Klasse 1 (6 Richtige + Superzahl)
mehrmals. Paradoxerweise würde dann
der eine Gewinner in Klasse 2 alleine 8% der Gewinnausschüttung
kassieren und die Gewinner der Klasse 1 müssten sich 10% der
Gewinnausschüttung teilen. Natürlich hat man auch hier
einen Riegel vorgeschoben: In einem derartigen Fall würden
die Gewinnsummen von Klasse 1 und 2 wieder
zusammengelegt und dann gleichmäßig
auf die Gewinner der beiden Klassen verteilt. Analog gilt das übrigens
auch für alle anderen Gewinnklassen, es wird aber immer unwahrscheinlicher
je tiefer man kommt. Man hat an alle Eventualitäten
gedacht. Der Jackpot kann auch nicht unendlich
steigen, denn nach 7 Wochen (14
Ausspielungen MI und SA) wird er der nächsten Gewinnklasse
zugeschlagen.
Eine Wahrscheinlichkeit von 1 : 140 Mill.
ist nun wirklich extrem gering. Die Wahrscheinlichkeit
von irgendeiner äußerst seltenen Krankheiten
befallen zu werden oder Opfer eines "unwahrscheinlichen"
Unfalls zu werden ist erheblich größer. Da sagt
aber jeder "mich wird es schon nicht erwischen". Bei Lottogewinnen
werden die Wahrscheinlichkeiten von der Allgemeinheit offensichtlich
anders bewertet.
Die Moral von der Geschichte: Man
lasse sich durch einen Jackpot nicht zu unangemessen hohen Einsätzen
verleiten und tröste sich damit, dass
es auch ein Glück sein kann, nicht in extrem seltene Ereignisse
verwickelt zu werden.
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