Bilder sollte man malen, nicht tippen
Es war im April 1999, als folgende Gewinnzahlen
im LOTTO gezogen wurden: 2, 3, 4, 5, 6, 26.
Die Ziehung der Zahlen erfolgte nicht genau in dieser Reihenfolge,
was aber keine Rolle spielt. Wäre statt der "26"
die "1" herausgekommen, so wäre das sicher
eine Sensation gewesen, die weltweit Beachtung
gefunden hätte.
Aber auch so gab es viel Trubel um diese Ausspielung. Unmittelbar
nach der Ziehung herrschte die Meinung, so etwas
verrücktes tippt doch kein Mensch. Wahrscheinlich wird
es keinen 6er geben und wenn doch, dann
mit hoher Gewinnquote.
Einige Kenner wussten aber schon, dass wohl das Gegenteil der Fall
sein wird. So kam es auch. Ein 6er brachte etlichen
Gewinnern "nur" 233.000 DM. Beim 5er, der normalerweise
einen 4stelligen Betrag liefert, gab es sogar nur 380
DM.
Was war passiert ? Man kann es kaum glauben,
die Zahlenkombination 1 bis 6 gehört
mit zu den beliebtesten Tipps. Man schätzt,
dass dieser Tipp über 30.000 mal
pro Ziehung abgegeben wird. Die Lotto-Gesellschaften könnten
das genau sagen, rücken mit dieser Information aber nicht heraus.
Bei oben erwähnter Ausspielung gab es dann auch 38000 5er,
üblicherweise liegt diese Zahl bei 2000.
Wäre damals tatsächlich "1 bis
6" gezogen worden, so wäre das Fiasko
perfekt gewesen. Ein 6er hätte weniger
als 200 DM gebracht. Man muss sich hier
in Erinnerung rufen, dass niedrige Quoten immer dann entstehen,
wenn viele Gewinner sich die prozentual konstanten Auszahlungen
pro Quote teilen müssen.
Schon bei früheren Ausspielungen gab es Einbrüche bei
den Quoten. Bei genauer Betrachtung der zugehörigen Gewinnzahlen
stößt man auf folgendes Phänomen:
Viele Lottospieler haben den Drang, die Kreuze optisch schön,
wie bei einem streng geometrischen Gemälde
anzuordnen. Sehr beliebt sind die Diagonalen, besonders die beiden
Hauptdiagonalen, Senkrechte, Waagerechte, Rechteckformen, U-Formen,
also alles was irgendwie regelmäßig
oder sogar witzig aussieht.
Logischerweise sollte man diese optisch hervorstechenden
Tippreihen meiden, da sonst im Gewinnfall der Gewinn mit
vielen anderen Spielteilnehmern zu teilen ist. Auch Zahlen die für
Datumsangaben geeignet sind
(1-31, 1-12, 19xx) werden überproportional häufig
getippt.
Abschließend soll noch die Frage gestellt werden, warum
tun die Leute das? Ist es die fälschliche Annahme (siehe
oben), dass nur sie allein auf so "abwegige"
Tipps kommen und deshalb eine hohe Quote erwarten können? Ist
es Ordnungsliebe und ästhetische Befriedigung oder einfach
nur Jux ? - Keine Ahnung.
Interessant ist folgende Feststellung: konfrontiert
man viele Menschen mit einem Zufallsprozess
wie dem Lottospiel, so reagieren viele von ihnen ihrerseits nicht
zufällig, sondern kommen zu gleichartigen
Ausführungen und das gilt es als LOTTO-Spieler zu berücksichtigen.
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