Warten auf den nächsten Jackpot
Der Jackpot hat sehr viel mit der sog. Superzahl
zu tun. Gedanken hierzu findet man auch im Beitrag Ist
die Superzahl wirklich super? Im folgenden wird auf den statistischen
Aspekt des Jackpots näher eingegangen.
Ein Jackpot entsteht nur, wenn es keinen
Gewinner im 1.Rang gibt. Die hierfür reservierten
10% der Ausschüttung werden zurückgelegt
und bei der nächsten Ausspielung (egal ob Mittwoch oder Samstag)
wieder dem 1.Rang hinzuaddiert. Das setzt
sich solange fort, bis es mindestens einen Gewinner im 1.Rang gibt,
der dann den gesamten Jackpot erhält.
Zuerst untersuchen wir vorhandenes Datenmaterial.
Dazu nehmen wir alle Ausspielungen des Jahres 2003
und 2004 (MI und SA!).
Die ersten drei Werte basieren auf amtlichen Angaben. Der Rest wurde
errechnet.
Jahr 2003
2004
Anzahl
Ausspielungen 104 106
Anzahl der Jackpots (Gewinnklasse I) 74
48
Umsatz
bzw. Einnahmen 5342 Mio.€
5381 Mio.€
Gesamtzahl der Tipps (0,75€/Tipp) 7123
Mio. 7175 Mio.
Tipps pro Ausspielung (Mittelwert) 68
Mio. 68 Mio.
Gesamtausschüttung (50% v.Einn.) 2671
Mio.€ 2690 Mio.€
Jackpotausschüttung (10% d.Aussch.) 267
Mio.€ 269 Mio.€
Mittelwert
pro Jackpot 3,6 Mio.e 5,6
Mio.€
Der Umsatz und damit die abgegebene Anzahl
von Lottotipps haben sich vom Jahr 2003
nach 2004 fast nicht geändert. Sehr groß
ist dagegen der Unterschied der Gewinner des 1.
Ranges, die wir hier als Jackpotgewinner bezeichnen, obwohl
nicht jedesmal ein akkumulierter Jackpot
gewonnen wurde. Deren Anzahl übersteigt in 2003
mit 74 den Wert von 2004
mit 48 erheblich. Dieser Unterschied wird
nur durch 2 Ausspielungen in 2003
verursacht, bei denen sich 11 bzw. 16
Gewinner den Jackpot teilen mussten.
Derartige Massengewinne passieren immer, wenn dieselben
Lottozahlen von vielen Spielern getippt werden, siehe hierzu Bilder
sollte man malen, nicht tippen.
In den beiden folgenden Diagrammen ist
die Jackpotentwicklung in den Jahren 2003 und
2004 grafisch dargestellt. Die roten
Balken kennzeichnen Gewinnauszahlungen im 1. Rang. Ist der Balken
unterbrochen, so verteilt
sich der Gewinn auf eine entsprechende Anzahl von Gewinner. Jackpotbildung
am Mittwoch (ungerade Ausspielungsnummer)
sind dunkelgrün markiert und für Samstag
(gerade Ausspielungsnummer) hellgrün.


In den Diagrammen ist gut zu erkennen, dass infolge der wesentlichen
höheren Umsätze am Samstag
(hellgrün) verglichen mit dem Mittwoch
(dunkelgrün) auch die Jackpots nach dem Samstag höher
anschwellen.
Selbstverständlich liefert auch die Wahrscheinlichkeitsrechnung
Aussagen über die Entstehung von
Jackpots, denen wir uns jetzt widmen. Allerdings sind hier Einschränkungen
zu beachten, weil die Vorraussetzung des puren
Zufallsgeschehens nicht gegeben ist. Beispielsweise sollte
der Tipp 1,2,3,4,5,6 bei 140
Mill. zufälligen Tipps statistisch nur einmal getätigt
werden. Wie man inzwischen weiß, kommt er aber schon
pro Ausspielung über 30000 mal
vor!
Wichtig für uns ist die durchschnittliche Anzahl von 68
Mio. Tipps pro Ausspielung. Ungeachtet der schon erwähnten
Tatsache, dass der Umsatz bei den Samstagsziehungen mehr als doppelt
so hoch ist wie am Mittwoch, ergeben beide zusammen in einer
Woche ca. 136 Mio. Tipps. Diese
Zahl liegt auffällig nahe bei den fast 140 Mio. Kombinationsmöglichkeiten.
Sicher sind die 140 Millionen Tipps pro Woche
und die Gewinnwahrscheinlichkeit von p=1/(140
Mill.) kein Zufall, sondern bewusst so geplant. Bei dieser
Konstellation ist nicht damit zu rechnen, dass jedesmal in der 1.
Gewinnklasse gewonnen wird. Andererseits wird die Zeit bis zur Auflösung
des Jackpots aber überschaubar bleiben. Interessanterweise überlässt
man das Tippen der Superzahl nicht dem Lottospieler, sondern nimmt
die Endziffer des Spielscheines. Könnten
die Lottospieler die Superzahl selber ankreuzen, so käme es wegen
der Vorliebe bzw. Abneigung für bestimmte Ziffern sicher zu Verwerfungen.
Die Wahrscheinlichkeit für einen Hauptgewinn (6 + SZ) bei der nächsten
Ausspielung ist stets gleichbleibend und
nicht davon abhängig, ob ein Jackpot gestartet, aufgelöst oder fortgesetzt
wird.
Mittwoch, mit ca. 50 Mio. Tipps: 50/140=0,36
(36%)
Samstag, mit ca. 90 Mio.Tipps: 90/140=0,64
(64%)
Der Erwartungswert für das erste Erscheinen des Supergewinns ist
E=1/p und sofort plausibel. D.h. im Schnitt
wird nach ca. 140 Mio. Tipps ein 6er mit
Superzahl erreicht. Demnach müssten pro Jahr
(siehe obige Daten) theoretisch 51 Jackpotgewinne
vorkommen. Für das unauffällige Jahr 2004
mit seinen 48 Jackpotgewinnern stimmt
das ganz gut, 2003 liegt mit 74
Jackpotgewinnern daneben. Die Ursache hierfür wurde schon genannt.
Wir werden jetzt die theoretische Wahrscheinlichkeit
für das Anwachsen eines Jackpots
berechnen oder anders formuliert: wie lange und mit welcher Wahrscheinlichkeit
muss man warten, bis ein Gewinn des 1. Ranges eintritt. Dazu nehmen
wir an, dass im Schnitt pro Ausspielung
(Mi bzw. Sa) 70 Mio. Tipps abgegeben werden,
was gegenüber den vorhandenen Daten eine etwas grobe Vereinfachung
ist, aber tendenziell nichts ändert.
Der Haupttreffer wird nicht eintreten mit der Gegenwahrscheinlichkeit
(1-p). Die Wahrscheinlichkeit für das erstmalige Eintreten
des Supergewinns nach n Ausspielungen
erhält man dann durch:
W=1-(1-p)^(n*70 Mill.)
Der Verlauf dieser einfachen Funktion ist im untenstehenden
Diagramm zu sehen. Da n (die Anzahl
der Ausspielungen) nur ganzzahlige Werte
annimmt, ist es eine Treppenkurve. Es beantwortet zwei Fragen: Wie
hoch ist die Wahrscheinlichkeit (hellblau),
dass nach n Ausspielungen erstmals ein
Gewinn im 1. Rang auftritt. Eben so gut
lässt sich über die komplementäre
Wahrscheinlichkeit (1-p, dunkelgrün)
der Wert für die Lebensdauer des
Jackpots ablesen, d.h. wie lange tritt kein
Gewinn im 1. Rang auf.

Nach 2 Ausspielungen (140 Mill. abgegebene
Tipps) hat die Wahrscheinlichkeit für das Erscheinen des Gewinns
den charakteristischen Wert 0,63. Die
Kurve nähert sich dann ziemlich flott
dem Wert w=1, erreicht diesen Wert aber
nie! Es gibt schließlich kein physikalisches
Gesetzt, das den Lottozahlen und der Superzahl verbietet, stets
solche Werte anzunehmen, bei denen kein Supergewinn entsteht. Praktisch
sieht es aber so aus, dass z.B. nach 3
Wochen (=6 Ausspielungen) die Wahrscheinlichkeit für das Erscheinen
des Jackpots schon bei 0,95 (95%) liegt.
Interessant wird die Situation nach
7 Wochen (=14 Ausspielungen). Das Lottovolk würde ausrasten.
Der Jackpot wäre wegen der sicher steigenden Umsätze auf
100 Mio. oder mehr gewachsen, die Wahrscheinlichkeit für
diesen Fall beträgt nur 0,000061. Laut
Lottoregeln wird dann der Jackpot bei der nächsten Ziehung (sofern
wieder kein Gewinner für Klasse 1 ermittelt wird) dem nächstniedrigeren
Rang zugeschlagen.
Man hat offensichlich die Sorge, dass dieses
sehr unwahrscheinliche Ereigniss trotzdem eintreten könnte und die
Bevölkerung verunsichern würde, denn schon Aristoteles
bemerkte, es ist wahrscheinlich, dass das Unwahrscheinliche eintritt.
Außerdem könnte paradoxerweise bei Fortsetzung
des Jackpots in dieser Situation jemand auf die Idee kommen, alle
möglichen 140 Mio. Tipps bei der Lottogesellschaft anzumelden und
das Kapital hierfür (ca. 105 Mio. €) über den mit Sicherheit zu
erwartenden Jackpotgewinn zu finanzieren. Abgesehen davon, dass
sich die Lottogesellschaft auf so einen Deal nicht einlassen würde,
könnte die Sache auch platzen, wenn der
Jackpot dann mit anderen Gewinnern zu teilen wäre.
Es wurde indirekt schon erwähnt, trotzdem nochmal
die Warnung vor der Fehlinterpretation
des obigen Diagrammes. Wenn z.B. nach irgendeiner
Ausspielung der Jackpot immer noch nicht aufgelöst ist, so verringert
sich dadurch nicht die Wahrscheinlichkeit
für die Fortsetzung des Jackpots bei der nächsten Ausspielung.
Das Diagramm beginnt für jede
Ausspielung wieder von vorne.
Es ist wie beim Münzwerfen.
Auch wenn 6mal hintereinander "Zahl" geworfen wurde, so ist beim
7. Wurf entgegen landläufiger Meinung die Wahrscheinlichkeit für
"Adler" nicht größer, sondern bleibt bei 0,5. Man darf hier nicht
die geringe Wahrscheinlichkeit für den Beginn einer 7-fachen Serie
nehmen, denn die Bedingung einer vorrausgehenden 6-fachen Serie
ist Vergangenheit und Realität, von der
die Münze allerdings keine Ahnung hat.
Zur praktischen Kontrolle dieses Sachverhaltes
sucht man in einer langen Serie von Münzwürfen alle mindestens 6-fachen
Serien heraus und registriert dann, wie oft sich die Serie fortgesetzt
hat und wie oft sie abgebrochen
wurde - und siehe da, entsprechend der fifty-fifty
Wahrscheinlichkeit des Münzwurfes wird zur Häfte die Serie
fortgesetzt und zur Hälfte abgebrochen und das gilt für beliebige
Serienlängen.
Die Bildung von Jackpotserien ist vergleichbar,
ungefähr sogar mit ähnlichen Wahrscheinlichkeiten.
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