Jackpot gewonnen - und dann?

...dann fangen die Sorgen erst an. Diese Sorgen möchte ich haben, werden Millionen Lottospieler sagen. Sicher ist jedenfalls, dass Gewinner von Lottomillionen aus der normalen Lebensbahn herausgeworfen werden. Ob sie eine neue und glücklichere Lebensbahn erwischen ist nach allen Erfahrungen zumindest zweifelhaft. Folgende zwei Zitate werfen hierauf Schlaglichter:

Zitat aus einem Interview von WELT ONLINE mit dem Gesellschaftsforscher Mark Lutter vom 28.11.2007:
WELT ONLINE: Wird ein Lottogewinner mit seinen Millionen eigentlich glücklich?
Lutter: Darüber gibt es aus den letzten 20 Jahren nur eine Handvoll Studien, meist aus den USA, wo Jackpot-Gewinner öffentlich gemacht werden. Diese Menschen bekommen mit den Millionen oft große Probleme, da sie im Gegensatz zu Millionenerben nicht auf den Gewinn vorbereitet wurden und ihnen Habitus und Kompetenz im Umgang mit Reichtum fehlt. Eine Studie besagt etwa, dass sich Lottogewinner einige Zeit nach dem Millionengewinn auf einem Glücksniveau befinden, der sie nicht von Unfallopfern unterscheidet.
WELT ONLINE: Wie bitte, soll das ein Trost für alle Verlierer sein?
Lutter: Tatsächlich ist der Zustand des plötzlichen Reichtums vergleichbar mit dem des Bankrotts, wenn man plötzlich arm ist. In beiden Fällen tritt ein Zustand der Regellosigkeit ein. Der ganze Alltag, auch die sozialen Beziehungen müssen neu geordnet werden. Dies kann zu Problemen führen, die sich auf das Zufriedenheitsempfinden auswirken.


Für viele ist es wohl auch schwer zu glauben, dass Anfang 2007 ein Lottogewinner sich erst nach 10 Wochen reiflicher Überlegung bei der Lottogesellschaft gemeldet hat. Der WDR.DE schreibt am 17.3.2007:

Seit dem Ziehungstag am 3. Januar 2004 fahndete die Westdeutsche Lotterie GmbH (Westlotto) nach dem unbekannten neunfachen Millionär, druckte sogar Sonderaushänge für die Lottoannahmestellen mit Kopien des Gewinnerscheins und appellierte über die Presse an den unbekannten Glückspilz - alles ohne Erfolg.

Stattdessen meldeten sich bei der Lottozentrale in Münster in den vergangenen Wochen diverse Trittbrettfahrer, denen Elmar Bamfaste "teils kriminelle Energie und teils gehörigen Dilletantismus" unterstellt. Als sich der Echte, ein "zwischen 50 und 60" Jahre alter Mann, nun doch noch mit dem offiziellen Glücksboten der Lotteriegesellschaft traf, habe es dem in der Gewinnerbetreuung erfahrenen Mann fast die Sprache verschlagen.

"Mehr Nachdenklichkeit als Freude" sei beim Millionär erkennbar gewesen. Der Mann habe sogar überlegt, so offenbarte er im Millionärs-Beratungsgespräch, "ob er den Gewinn überhaupt annehmen soll". Doch dann sei ihm während der selbst verordneten Abtauchphase klar geworden, dass er mit seinem Geld auch "Gutes tun" könne. Nun überlege der Gewinner, so Sprecher Bamfaste, "ob er eine gemeinnützige Stiftung gründen soll".

In der Tat wäre es viel gesünder, Höchstgewinne bei z.B. 200.000 Euro zu begrenzen. Es gäbe erheblich mehr Gewinner, die den Gewinn unauffällig zum eigenen Wohl nutzen könnten. So denkt die Masse der Spieler leider nicht. Der Lottoumsatz würde sicher in den Keller sinken.

Zwei weitere allgemeine Fehlurteile sollen auch noch erwähnt werden. Erstens bezieht sich die Gewinnchance für den Jackpot von fast 1:140 Mio. nur auf einen Tippkasten. Aber wer gibt schon nur einen Tipp ab. Bei zehn Tipps "verringert" sich die Chance auf 1:14 Mio. Zweitens ist es Unsinn, dass die Wahrscheinlichkeit, den Lotto-Jackpot zu knacken prinzipiell wächst, wenn auch der Jackpot wächst.

Nur dadurch, dass der Umsatz wächst (die Anzahl der abgegebene Tipps) ist hier eine proportionale Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für das Knacken des Jackpots gegeben, was dem einzelnen Spieler überhaupt nichts nutzt. Im Beitrag Warten auf den nächsten Jackpot wird die Jackpotbildung ausführlich untersucht.

 

12/07