Der große Irrtum mit den großen Zahlen
In der Statistik gibt es das Gesetz der großen
Zahlen. Dieses besagt, dass bei Zufallsprozessen
das Verhältnis von absoluter
Häufigkeit eines bestimmten Ereignisses zur Anzahl der Gesamtereignisse
einem festen Wert zustrebt.
Ein einfaches Beispiel hierfür ist das Werfen
einer Münze. Zwei Ereignisse sind möglich: Kopf
oder Zahl. Keiner zweifelt daran, dass nach sehr vielen Würfen
zur einen Hälfte Zahl und zur anderen Hälfte Kopf erscheinen
wird, das erwähnte Verhältnis beträgt hier 0,5.
Ebenso besteht die Vermutung, dass beispielsweise nach 500
Würfen nicht exakt jeweils 250 x
Kopf bzw. Zahl erscheinen wird. Hätten wir 245x
Kopf und 255x Zahl, so wäre das eine
Abweichung von 5 Ergebnissen oder 2%
vom Erwartungswert 250.
Bei 5000 Würfen würde eine
2%ige Abweichung von der Erwartung den
Betrag von 50 annehmen. Die absolute
Abweichung ist nun von 5 auf 50 um das 10fache gewachsen,
obwohl die relative Abweichung sich nicht
verändert hat.
Empirische Beobachtung zeigen, dass bei wachsender Zahl von Versuchen
der absolute Ausgleich paradoxerweise
immer unwahrscheinlicher, d.h. die absolute Abweichung
wächst beständig. Gleichzeitig wird die relative
Häufigkeit immer genauer. Zur absoluten Abweichung gibt
es auch im Beitrag Kennen
Sie das Arcussinus-Gesetzt? eine interessante Aussage.
Was für den Münzenwurf gilt,
lässt sich entsprechend auf Lottozahlen
übertragen und hier beginnt der Irrtum.
Er lässt sich nicht ausrotten: Der Glaube an den absoluten
Ausgleich bei Zufällen. Dieser Glaube wird noch gefüttert
durch Veröffentlichungen im Umfeld des Lotteriewesens. Dort
findet man Rubriken mit dem Titel: "Wie oft schon gezogen",
"Wie lange nicht gezogen" oder ähnliches.
Die Versuchung liegt nahe, diejenigen Zahlen zu tippen, die lange
ausgeblieben sind. Das entspricht auch dem menschlichem Empfinden
und der Erfahrung des Ausgleiches. Nach Ebbe kommt wieder Flut,
nach Regen folgt Sonnenschein usw.. Meistens ist hier die Ausgangssituation
schon nicht vergleichbar, weil determinierte Prozesse zugrunde liegen,
die nur Zufallsbeimischungen haben. Alles nur
Scheinlogik.
Mehr oder weniger gehäuftes Vorkommen oder Ausbleiben einer
oder mehrerer Lottozahlen kommt vor, ist aber desto weniger wahrscheinlich,
je stärker es auftritt. Jetzt
auf den kurzfristigen Ausgleich zu tippen hieße ja, auf ein
zweites gegenläufiges, aber ebenso wenig wahrscheinliches Ereignis
zu spekulieren. Auf den langfristigen relativen
Ausgleich hat das alles ohnehin keinen Einfluss.
Es gibt sogar Gründe, insbesondere die überproportional
erschienenen Lottozahlen in Tipps einzubeziehen. Da wie oben
ausgeführt, der jederzeitige absolute Ausgleich unwahrscheinlich
ist, muss es zwangsläufig zu gelegentlichen Häufungen
von Lottozahlen kommen. Die Spekulation besteht nun darin, dass
eine sich ankündigende Ballung bestimmter Lottozahlen sich
noch stärker ausprägen wird und nicht sofort wieder zusammenbricht,
so ähnlich wie beim Münzwurf Serien
von Zahl- und Kopfwürfen entstehen. Dieser Effekt ist nur kurzfristig
und lokal. Langfristig spricht das Arcussinus-Gesetz
ebenfalls für eine Bevorzugung von häufig erschienenen
Lottozahlen.
10/02
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