Einmal im Leben einen Lotto-Hauptgewinn !
Wir stellen uns die Frage, mit welcher Wahrscheinlichkeit jemand
einen Volltreffer landen kann, der sein Leben lang regelmäßig
Geld für Lotto opfert. Gleichzeitig untersuchen wir,
ob es günstiger ist, jede Woche zu spielen
oder die Einsätze zu sparen und nach Jahrzehnten alles gesparte
auf einmal zu setzen.
Unter Volltreffer wollen wir hier 6 Richtige
verstehen, was im Schnitt ca. eine halbe Million € bringen
sollte. Damit es nicht zu kompliziert wird, lassen wir die Superzahl
weg. Es sieht so schon ziemlich trübe aus. Die Superzahl würde
die Wahrscheinlichkeiten nochmal um den Faktor 10 nach unten drücken.
Zum besseren Verständnis vorab einige Erklärungen anhand
eines ganz einfachen Würfelspiels :
Wir haben Spieler A und Spieler B.
Eine dritte Person würfelt mit nur einem Würfel, nimmt
am Spiel aber nicht aktiv teil, sondern kassiert Einsätze und
zahlt Gewinne aus (das entspricht der Lottogesellschaft).
Vor jedem Wurf des Würfels kann (aber muss nicht) 1 €
oder ein vielfaches davon von den Spielern auf eine oder mehrere
der Zahlen 1 bis 6 gesetzt werden. Wird die gesetzte Zahl erwürfelt,
so erhält der Spieler pro gesetztem € einen Gewinn von
3 € sonst verliert er den Einsatz. Da jede Zahl des Würfels
eine Chance von 1:6 hat, wären 6 € ein fairer Gewinn.
3 € sind nur 50% davon - eben genau wie beim Lotto.
Spieler A hat folgende Strategie: Er
ist bei jedem Spiel mit 1 € dabei. Spieler B
dagegen spart den 1 € und setzt alle
gesparten (akkumulierten) € auf einmal. (Zinsen lassen wir
hier weg, weil es nur um die Systematik geht.)
Für Spieler B können wir die
Wahrscheinlichkeiten für die jeweilige Spielstrecke
leicht berechnen. Wenn er beispielsweise 3 € gespart hat, so
kann er 3 Zahlen belegen und hat somit bei 6 möglichen Zahlen
eine Chance von 50% (Wahrscheinlichkeit p=0,5). Spart er sogar 6
€, so kann er alle 6 Zahlen belegen und trifft garantiert (100%;
p=1,0) erhält aber nur einen Gewinn von 3 €, hat also
unter dem Strich wegen der 50%-Ausschüttung trotzdem die Hälfte
verloren.
Die linear verlaufende Wahrscheinlichkeit bei der Spielstrategie
von Spieler B ist als blaue Linie in Abb.1
eingetragen. Es zeigt die Gewinnwahrscheinlichkeit bei einmaligem
Satz für linear
steigende einmalige
Einsatzhöhe.
Spieler A setzt jedesmal konstant 1 €
und hat somit jedesmal eine Gewinnchance. Die Wahrscheinlichkeit
steigt bei A aber nicht linear (rote Kurve
in Abb. 1).
Hier nur ein Hinweis wie man dabei rechnerisch
vorgeht. Anstelle der Gewinnwahrscheinlich p=1/6 verwendet man die
Gegenwahrscheinlichkeit p*=(1-p)=5/6 die angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit
nicht gewonnen, also verloren wird. Wegen
der Unabhängigkeit der Würfe dürfen die Wahrscheinlichkeiten
sukzessive multipliziert werden.

Die Gewinnwahrscheinlichkeit von Spieler A
(rote Kurve) verläuft immer unterhalb der von Spieler B
(blau). Zum Beispiel hat Spieler B beim
5. Wurf (bei dem er 5 € auf einmal setzt) eine Chance von 0,83
(83%) und A (der bei jedem Wurf 1 €
gesetzt hat) dagegen nur 0,6 (60%).
Man darf aber nicht übersehen, dass Spieler B
bei diesem Beispiel die 4 vorhergehenden Sätze nicht tätigte,
sondern für den 5. Satz "gespart" hat und deshalb
zuvor nicht gewinnen konnte. Spieler A
hingegen hat bei jedem Wurf eine Gewinnchance, er hätte somit
beispielsweise auch schon beim 2. Satz die 3 € mit einer Wahrscheinlichkeit
von ca. 0,3 (30%) gewinnen können.
Die Gewinnwahrscheinlichkeiten im genannten
Beispiel, die vor Beginn des Spieles für eine bestimmte Spielstrecke
ermittelt werden, dürfen nicht mit der Wahrscheinlichkeit für
das Erscheinen einer bestimmten Würfelzahl beim nächsten
Wurf verwechseln werden, denn diese ist stets 1:6.
Auch hier wieder der Hinweis: Die Würfe
des Würfels sind voneinander unabhängig und da auch Würfel
ähnlich wie die Lottozahlen kein Gedächtnis, kein Gefühl,
keinen Ordnungssinn usw. haben, ist es egal welche Zahl Spieler
A setzt, er kann auch immer dieselbe Zahl
setzten ohne die Wahrscheinlichkeit zu beeinflussen.
Wie schon erwähnt, gewinnt Spieler B garantiert,
wenn er 6 € gespart hat, weil er dann alle Zahlen setzen kann.
Spieler A ist dann erst bei 67% Wahrscheinlichkeit angekommen. Die
gerade blaue Linie von B lässt sich
beliebig verlängern. Beim 12. Wurf wären 12 Sätze
gespart. Damit könnte jede Zahl mit 2 € belegt werden
und der Gewinn wäre 6 €, was wieder 50% des Umsatzes sind.
So geht das beliebig oft weiter.
Anders beim Spieler A. Er kann niemals
die 100% (p=1) erreichen, wie die rote
Kurve schon erahnen lässt, d.h. physikalisch ist es theoretisch
möglich, dass Spieler A nie gewinnt. (Wir setzten vorraus,
dass für alle 6 Zahlen des Würfels superpräzise p=1/6
gilt.) Praktisch wird die Wahrscheinlichkeit irgenwann aber so hohe
Werte annehmen, dass es schließlich in unserer realen Welt
zu einem Gewinn kommt. Von dem bis dahin aufgelaufenen Verlust reden
wir lieber nicht.
Nehmen Sie einmal an, Sie sind Spieler
A und setzen jedesmal z. B. auf die "4". Es wird 30mal
gewürfelt, eine "4" ist nicht dabei. Es wird weitere
30mal also insgesamt 60mal gewürfelt, immer noch keine "4".
Erst beim 90. Wurf erscheint erstmals eine "4". Glauben
Sie, dass so etwas möglich ist? Oder denken Sie, der Würfel
ist gezinkt?
Wenn Sie das nicht glauben, dann dürfen
Sie auch nicht glauben, dass es möglich ist, mit einem Tippkasten
6 Richtige im Lotto zu treffen, denn die Wahrscheinlichkeiten sind
in beiden Fällen ungefähr gleich, also ca. 1:14 Millionen
- das aber nur nebenbei.
Das Beispiel mit dem Würfel können wir jetzt auf das
Lotto (Abb.2 ) übertragen. Es ändern
sich nur die Zahlen. Um mehr Realität hineinzubringen nehmen
wir als Grundlage ein wöchentliches
Spiel mit 60 Tippkästen (Kombinationen),
das sind 5 voll ausgefüllte Scheine,
also ein recht intensives Spiel.
Die Wahrscheinlichkeit bei einer Ausspielung hiermit zu gewinnen
beträgt p=60/13983816=0,00000429.
Wir haben auch wieder den roten Spieler A,
der wöchentlich spielt und den blauen Spieler B,
der die Einsätze spart und dann alles auf einmal setzt.
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Die Werte sind leider irrwitzig aber so sind nun mal
die Lottochancen:
Um genügend Geld für alle 13983816 Kombinationen
zu haben (also p=1) muss Spieler B
jetzt fast 4500 Jahre wöchentlich
60 Tippreihen "sparen".
Nach dieser langen Zeit hat Spieler A
mit seinem realen wöchentlichen
Spiel genauso viel Geld ausgegeben, aber erst eine Wahrscheinlich
von p=0,63 (63%) für einen
6er-Treffer erreicht.
Selbstverständlich besteht auch hier die Möglichkeit,
dass A den 6er-Treffer schon vorher
(bei entsprechend geringerer) Wahrscheinlichkeit ergattert.
Um auf den Boden der Realität zurückzukehren sind
in Abb.3 die ersten 50
Jahre von Abb.2 herausvergrößert.
Das ist ein realistischer Zeitraum für die gesamte Karriere
eines Lottospielers. Es zeigt sich etwas überraschendes
und sehr wichtiges.
Man erkennt schon in Abb.2, dass
die Wahrscheinlichkeiten für die Strategien von A
und B erst nach ein paar hundert
Jahren auseinanderdriften. In der Vergrößerung
wird es ganz deutlich: In den ersten 50 Jahren sind die Werte
für A und B
praktisch identisch (der Fehler ist kleiner als 1 Promille).
Ursache hierfür ist die extrem geringe Wahrscheinlichkeit
für 6 Richtige.
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Es ist also egal ob ich 50 Jahre lang
jede Woche 5 volle Lottoscheine (je 12 Kästen) tippe
oder das Tippgeld spare und nach 50 Jahren
13000 volle Lottoscheine in einer Woche abgebe. Die Wahrscheinlichkeit
für mindestens einen 6er-Treffer ist in beiden
Fällen gleich: p=0,011 (1,1%).
Da bei wöchentlicher Tippweise zusätzlich
die (entsprechend geringere) Chance besteht, schon vorher einen
6er-Treffer zu erzielen, ist die Spielweise
A eindeutig vorzuziehen.
In Abb.3 können wir auch ablesen, dass
nach 45 Jahren p=0,01
erreicht wird, das ist 1 %. Etwas anders formuliert heißt
das, von 100 Personen die 45 Jahre jede
Woche 60 Tippreihen spielen, wird im Schnitt nur
eine Person einen 6er im Lotto erzielen.
Selbstverständlich werden in der Zeit auch etliche Gewinne
unterhalb des 6er erzielt, worauf hier nicht eingegegangen wurde.
10/04
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