Ausschüttungen verschiedener Glücksspiele

Glücksspiele basieren auf dem einfachen Prinzip der Umverteilung. Die Spieler bilden unter der Regie des Veranstalters über ihre Einsätze zunächst einen großen Kuchen. Bevor überhaupt etwas passiert, kassiert das Finanzamt in Form von Lotteriesteuer (16,66%) einen Teil des Kuchens. Nachdem die Gewinner über einen durch Zufall gesteuerten Spielvorgang ermittelt worden sind, wird der restliche Kuchen verteilt. Die Verlierer gehen natürlich leer aus. Der Veranstalter bedient sich dann zuerst mit einem Stück Kuchen und was dann noch übrig bleibt nennt sich Gewinnausschüttung und wird an die Spieler zurückgezahlt.

Für die prozentualen Ausschüttungen bei den in Deutschland legal und öffentlich angebotenen Spielen ergibt sich folgende Rangordnung:

Ausschüttung
Spiel
 Beschreibung
100%
"faires Spiel"
Alle Einnahmen fließen wieder an die Spieler zurück - gibt es in der Realität leider nicht. Pokerspiele in Casinos erfüllen als "Nullsummenspiele" diese Vorraussetzung am ehesten, d.h. der Gewinn eines Spielers sind die Verluste der anderen Spieler. Aber auch hier ist bei jedem Spiel eine Gebühr zu entrichten, die in jedem Fall dem Casino zugute kommt.
97,3%
Roulette
Das Roulette hat 37 Zahlenfächer von 0 bis 36. Gewinnt die gesetzte Nummer, so erhält man nur den 36-fachen Einsatz (einschließlich des gesetzten Einsatzes) zurück, d.h. der Vorteil der Spielbank beträgt nur 1/37=2,7%. Die Chancen lassen sich vielfältig kombinieren. Bedingt durch die besondere Behandlung der sog. einfachen Chancen und das obligatorische Trinkgeld variiert die Gewinnausschüttung zwischen 94,6% und 98,65%.
94,3%
Black-Jack
Dieses Casino-Kartenspiel ähnelt dem Kartenspiel "17 und 4". Die angegebene Auszahlungsquote bezieht sich auf den Fall, dass der Spieler die Strategie des Card-Dealers nachahmt, d.h. "kaufen" bis 17 Punkte erreicht sind, auch auf die Gefahr hin, sich zu "verkaufen" und sofort zu verlieren (mehr als 21 Punkte). Dieser Verlust kommt in jedem Fall der Bank zugute, auch wenn sie sich als letzter selbst "verkauft" und das ist der ganze Vorteil der Bank. Als Spieler sich niemals zu "verkaufen" bringt nichts, weil dann die Bank in den überwiegenden Fällen eben eine höhere Punktzahl vorweisen wird. Die verschiedenen BJ-Strategien liefern Auszahlungsquoten die über oder unter dem genannten prozentualen Wert liegen.
60%-80%
Spielautomaten
Man muss unterscheiden zwischen Spielautomaten in den Automatendependancen der Spielkasinos und den Spielautomaten in Kneipen und sog. Spielhallen. Letztere liegen eher bei 60%, während die Automaten in den Casinos 80% ausschütten und teilweise noch mehr, wenn z.B. Roulette simuliert wird.
70%-80%
Pferdewetten
Hierbei handelt es sich um sog. Buchmacherwetten, d.h. Wetten mit vorher festgelegter Quote. An diese Wetten sollte man sich nur mit "Pferdesachverstand" heranwagen. Die Fachleute unterscheiden zwischen Trabrennen und Galopprennen und hinsichtlich der Wettart zwischen Platzwetten mit moderatem Risiko und Siegwetten mit höherem Risiko.
52% - 55%
Klassenlotterien
Es gibt die NKL und SKL. Beide sind vergleichbar und haben ein etwas kompliziertes Regelwerk. Die Ziehungen laufen über ein halbes Jahr und sind in sechs monatliche in sich abgeschlossene und zeitlich aufeinander folgende Ziehungen (Klassen) unterteilt. Die Gewinne steigen von Klasse zu Klasse. Der Haken dabei: an einer höheren Klasse kann man nur teilnehmen, wenn man auch an allen darunter liegenden Klassen teilgenommen hat bzw. wenn man die entsprechenden Lospreise nachentrichtet (ohne das diese nachträglich gewinnberechtigt sind).
50% - 60%
Oddset
Kombi- oder Einzelwette sind möglich. Oddset sind Buchmacherwetten mit vorher feststehenden Quoten. Die Ausschüttung kann deshalb variieren, dürfte langfristig aber die genannten Werte annehmen.
50%
Lotto, Toto
Haupteinnahmequelle der staatlichen Glücksspielunternehmen. Es herrscht das Totalisatorprinzip, d.h. die Ausschüttung ist an die Einnahme gekoppelt. Die Jackpotregeln des Lottos im ersten Rang (=10% der 50%-Ausschüttung), können die Ausschüttung auf 45% drücken und sie dann nach Wochen plötzlich explodieren lassen, was in der Regel aber nur einem Spieler zugute kommt.
42% - 48%
Spiel 77
Super 6
Diese Spiele werden als freiwillige Zusatzlotterien zum Lotto und Toto angeboten. Die Losnummer hierfür ist auf jedem Tippschein schon dick aufgedruckt. Die Auszahlungsquoten sind fest und richten sich nach den 6 bzw. 7 Endziffern der gezogenen Zahl. Der kleinste Gewinn setzt die Übereinstimmung der letzten Endziffer vorraus, d.h. 10% der Lose erhalten überhaupt einen Gewinn. Ähnlich wie bei der Klassenlotterie gibt es für den Veranstalter ein sog. Planspielrisiko, weil er trotz der festen Quoten vorher nicht weiß wie viele Losnummern in den einzelnen Gewinnklassen gewinnen werden. Dieses Risiko hält sich aber in Grenzen und bei Spiel 77 wird es sogar weitgehend vermieden, weil hier an die Gewinner der 1. Klasse keine feste Quote sondern 7,11% der Einnahmen ausgeschüttet wird bzw. ein Jackpot gebildet wird.
unter 40%
diverse
Bei dieser geringen Ausschüttung sollte man eher von legaler Geldbeschaffung für die Veranstalter sprechen, woraus diese auch keinen Hehl machen und auf die wohltätigen Zwecke der Lotterieeinnahmen verweisen. Die Glücksspirale kommt auf 36%, die Fernsehlotterien "Großer Preis" (ZDF) und "Ein Platz an der Sonne" (ARD) schütteten 27% bzw. 25% aus.

Außer der Ausschüttung ist der prozentuale Anteil von Gewinnern und Verlierern von Bedeutung, d.h. die Wahrscheinlichkeit dafür, überhaupt etwas zu gewinnen. Dieser Faktor hängt wiederum von der Höhe der Gewinne und ihrer Relation zur Chance ab. (Für Lotto und Toto sind diese Werte hier auf Nachbarseiten aufgelistet.)

Generell gilt: je geringer die Chance d.h. je höher das Risiko, desto größer der Gewinn. Bei einer "gerechten" Gewinnverteilung ist die Gewinnhöhe genau umgehrt proportional zur Chance. Roulette befolgt dieses Prinzip perfekt. Bei Buchmacherwetten versucht man diesem Prinzip möglichst nahe zu kommen. Bei Lotterien ist dieser Zusammenhang infolge der willkürlichen Festlegung der Gewinnklassen sehr verwässert.

Bei Casinospielen ist ein Spielmodus beliebt, bei dem fast eine "fifty-fifty" Chance besteht (aber eben nur fast 50%). Dabei verliert man seinen Einsatz oder erhält einen Gewinn genau in Höhe seines Einsatzes. So etwas funktioniert sinnvoll aber nur bei Ausschüttungen nahe 100%, denn bei nur 50% Ausschüttung würde eine fifty-fifty-Chance nur 25% des Einsatzes bringen.